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Charlotte Brontë: Jane Eyre. An Autobiography

Jules

Quem di diligunt, adulescens moritur
Titus Maccius Plautus
römischer Dichter

Wenn die Götter lieben, der stirbt jung, sagte Plautus und hat damit das Schicksal unzähliger Künstler vorausgesagt. Charlotte Brontë schienen die Götter auch zu lieben, denn sie starb mit gerade einmal 38 Jahren. Wer aber war sie?

Charlotte Brontë war die älteste der Brontë-Schwestern (ihre Schwester Anne hat Die Sturmhöhe geschrieben, falls euch das eher was sagt). Sie wurde 1816 in Thornton geboren und lebte die meiste Zeit ihres Lebens in ihrer Heimatstadt Haworth. Kurzzeitig arbeitete sie als Lehrerin und Gouvernante, kehrte aber immer wieder nach Hause zurück, um sich um ihren Vater und ihren Bruder zu kümmern, nachdem ihre Mutter schon früh verstorben war.  

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Porträt von George Richmond, 1850

Charlotte Brontë, wie auch ihre Schwestern Emily und Anne, veröffentlichten ihre Werke und den gemeinsamen Gedichtband unter männlichen Pseudonymen (Currer, Ellis und Acton Bell). Sie lehnten sich mit ihren Werken gegen bestehende patriarchale Konstitutionen auf und wurden aus diesem Grund nicht selten kritisiert. 
Ersten Erfolg erlangte sie 1847 mit Jane Eyre, nachdem ihre früheren Werke wenig Anerkennung erhalten hatten. Jane Eyre galt als innovativ und ungewohnt, durch die weiblichen Protagonisten und Ich-Erzählerin. Aufgrund dieser Veröffentlichung und den Veröffentlichungen ihrer Schwestern (ebenfalls weibliche Protagonistinnen) gab es viele Gerüchte um ihre Identitäten und Geschlecht. 
1848 und 1849, Charlotte Brontë hatte ihren Erfolg kaum auskosten können, verlor sie in kürzester Zeit alle ihre Geschwister und kümmerte sich von da an umso mehr um ihren alten Vater. 
Erst 1850, fünf Jahre vor ihrem Tod, entschied sie, sich als Currer Bell zu offenbaren. Schnell wurde sie von ihrem Verlag in die Londoner Society eingeführt und lernte damalige Größen der britischen Literaturlandschaft kennen.
1854 heiratete Brontë Arthur Bell Nicholls, den Hilfspfarrer ihres Vaters und wurde schwanger. Im März des darauffolgenden Jahres starben sie und ihr ungeborenes Kind an Komplikationen der Schwangerschaft. 

Immer wieder höre ich, dass das damals doch normal war. Dass die Menschen damals so jung gestorben sind. Aber Brontës Vater ist 84 geworden, Jane Austens Schwester wurde 72 und ihre Mutter sogar 88. Deswegen bleibe ich bei dem Eingangszitat: Quem di diligunt, adulescens moritur​!  

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Quelle: dtv.de
Jane Eyre. An Autobiography

Jane Eyre hat es nicht leicht. Ihre Eltern sterben früh, weswegen sie bei Verwandten aufwachsen muss. Als ihr Onkel stirbt, behandeln sie ihre Tante und deren Kinder schlecht, bezeichnen sie als unkindlich und bösartig. Sie schicken sie in ein Internat, wo es ihr auch nicht besonders gut ergeht. Ihre einzige und beste Freundin stirbt in ihren Armen an Tuberkulose. Als sie das Internat verlässt, nimmt sie eine Stellung als Gouvernante in einem Herrenhaus an und tritt da auf Mr. Rochester, den geheimnisvollen und mürrischen Hausherren. 

Warum ist Jane Eyre der erste Immortal Classic, den ich euch vorstellen möchte? Nun, es war der erste Klassiker, den ich außerhalb der Schule gelesen habe. Als ich das Buch damals kaufte, war mir zunächst gar nicht bewusst, dass es schon so alt ist (ich war 13). Wie so häufig, machte mich das Cover neugierig. 

Die Geschichte, die der Klappentext umschrieb, hätte auch von heute sein können, trotz der Worte, die ich damals noch nicht vertstand (was zur H***e sollte bitte eine Gouvernante sein 😅). Aber ich kaufte es, ich las es und ich liebte es.
Es ist bis heute eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Und ich möchte es auch zu einem eurer Lieblingsbücher machen. 

Jane Eyre. Wir haben eine Protagonistin, die nicht besonders schön ist und nicht aus gutem Hause stammt. Schon als Kind ist sie neugierig, anstatt mit ihren Cousinen und ihrem Cousin zu spielen, versteckt sie sich und schaut sich Bücher über Vögel an. Sie ist kein typisches Kind, was ihrer Tante nicht gefällt. Sie ist klug und lässt sich von höher Gestellten nicht einschüchtern. Man könnte sie fast als die Heldin der Stillen und Einzelgänger bezeichnen, zumindest glaube ich, dass es das war, was sie in meinen 13-jährigen Augen hat so besonders wirken lassen. Außerdem urteilt sie nicht voreilig und weiß, welchen Wert sie hat. 

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Jane Eyre. Die Weise von Lowood. Eine Autobiographie. CARLSEN

Jane Eyre ist wie seine Protagonistin ein unaufgeregtes Buch, das trotz seiner düsteren Stelle und Geheimnisenthüllungen nie den Boden der Realität verliert und auf einfache Art und Weise die Geschichte einer jungen Frau erzählt. Die Geschichte spiegelt die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in England und ist dennoch so aktuell wie damals. 
Meine absolute Leseempfehlung dafür! 

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