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Jay Kristoff: Empire of the Damned/ Das Reich der Vampire 2

Cindy

Jay Kristoff ist ein Meister seines Fachs, was er einmal mehr mit „Empire of the Damned“, übersetzt von Kirsten Borchardt, unter Beweis gestellt hat. War der erste Band bereits ein bunt gemischtes Bad an Gefühlen, so wird man hier in einen Fluss mit wilder Strömung geworfen. Es ist brutal, es ist grausam, es ist episch! Ich kann nicht aufhören, über diese Geschichte nachzudenken und diese Reihe gehört definitiv zu meinen allerliebsten Fantasyreihen.

Anders als im ersten Teil erzählt nicht mehr nur Gabriel seine Geschichte, sondern eine zweite Person wird ebenfalls vom Chronisten Jean-Francois interviewt. Beide Geschichten greifen perfekt ineinander, ergänzen sich ohne etwas vorweg zu nehmen und schrauben die Dramatik und Spannung zum Ende hin gekonnt in die Höhe. Man hat immer eine gewisse Ahnung, was passieren könnte, wird aber dennoch überrascht und komplett mitgerissen.
Ich fand es sehr schön, dass es zu Beginn des Romans ein kleines Personenregister gibt, anhand dessen auch viele Geschehnisse des ersten Teils rekapituliert werden und man so gut vorbereitet in die Lektüre starten kann. Die Geschichte setzt nahtlos dort an, wo man voller Verzweiflung zurückgelassen wurde und enttäuscht natürlich nicht, denn die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit steigt Seite für Seite stetig an. Kristoff ist bekanntermaßen kein Freund von Happy Ends und er macht seinen Figuren das Leben buchstäblich zur Hölle.
Gabriel de Leon ist ein charmanter Protagonist, weil man ihn als gebrochenen, vom Sanctus abhängigen Mann kennenlernt, der bereits mit Anfang dreißig seine besten Jahre hinter sich gelassen hat. Und dennoch fragt man sich stetig, was ihn noch antreibt, warum er seine Geschichte in allen Einzelheiten teilt und ob etwas Großes am Ende auf uns wartet.
Während er sich im ersten Teil weitgehend mit der Vampirfamilie Voss auseinandersetzt, kämpft er im zweiten Band hauptsächlich gegen die Dyvoks, die über brutale Kampfstärke verfügen und wirkliche Monster sind. Auf seiner Reise trifft er alte Bekannte aus Teil eins wieder und einige dieser Wiedersehen waren unerwartet, andere ganz und gar schrecklicher Natur. Generell kann man sagen, dass dieser Roman wirklich nichts für schwache Nerven ist, denn die Kämpfe sind sehr blutig und detailliert in Grausamkeit und Gewalt geschildert, es wird auf barbarische Art und Weise gefoltert, der Tod lauert auf jeder Seite und es gibt jede Menge Gemetzel und Blutbäder. Natürlich wäre es auch nicht Jay Kristoff, wenn nicht noch eine ordentliche Portion Nacktheit und S*x dabei wäre – davon gab es meiner Meinung nach ein bisschen zu viel. Man bekommt den Eindruck, die Dyvoks werden nur von Lust nach Blut, Kampf und Fleisch getrieben.
Nichtsdestotrotz hat Kristoff in all diese Grausamkeiten auch wieder viele zwischenmenschliche Töne eingearbeitet und ist großen Fragen und Gefühlen nachgegangen. Wie weit ist man bereit für die Liebe zu gehen? Was ist man bereit zu opfern, um seine Liebsten zu beschützen? Auch der Glaube spielt natürlich eine große Rolle. In einer Welt, die von ihrem Erlöser im Stich gelassen wird, kann man noch glauben? Wenn der Glaube auf einer Lüge fußt, kann man noch hoffen?
Dior ist nach wie vor einer meiner liebsten Charaktere, denn ihr Charme und ihr trockener Humor im Zusammenspiel mit Gabriel bringen so viel Gelassenheit und Witz in diese düstere Geschichte. Sie wächst hier über sich hinaus und beweist eine Größe und Stärke, die für ihr Alter wirklich beeindruckend sind. Sie hat einen echt krassen Handlungsbogen in diesem Band. Ich kann gar nicht so viel zur Storyline sagen, ohne massive Spoiler zu riskieren. Es war auf jeden Fall ein Höllenritt, voller Kämpfe, unerwarteter Begegnungen, Verlusten und Lügen.
Ich habe das Buch als deutsches Hörbuch gehört und Robert Frank hat exzellente Arbeit geleistet! Seine Vertonung ist einfach genial und ich habe roßen Respekt davor, dass er die zweite Erzählstimme so konsequent durchgezogen hat. Ein wahres Hörerlebnis.
Parallel dazu habe ich immer einen Blick ins englische Buch geworfen und möchte daher auch die Übersetzungsleistung von Kirsten Borchardt loben! So klangvoll, so passend! Ich bin absolut begeistert.
Alles in allem war dieser zweite Band ein absolutes Highlight für mich und ich freue mich, dass die Wartezeit auf den finalen Band nun bald vorbei ist.
empire of the damned gebundene ausgabe jay kristoff englisch - Jay Kristoff: Empire of the Damned/ Das Reich der Vampire 2
© Harper Collins

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