Lev Grossman: The Bright Sword
Cindy
Diese Neu- beziehungsweise Weitererzählung der Artuslegende ist unglaublich ambitioniert. Grossman gelingt es, die Fußstapfen auszufüllen, in die er zu treten gewagt hat und transportiert mit “The Bright Sword ” das klassische Legenden-Feeling mit frischem Wind. Den altbekannten Figuren fügt er den Protagonisten Collum hinzu. Er bezeichnet sich selbst stets als “von den Hinterinseln”, macht sich klein, obwohl er so große Hoffnungen hegt. Von besagten Inseln aus macht er sich auf dem Weg nach Camelot, um unter dem großen König Artus als Ritter zu dienen. Zu seinem Leidwesen muss er bei seiner Ankunft feststellen, dass Artus tot ist und nur noch eine Handvoll (weniger glanzvolle) Ritter übrig geblieben sind. Niemand weiß, wie es weitergehen soll, doch die trostlose Stimmung legt sich bald, als man um ein Wunder bittet und mit einem Abenteuer belohnt wird.
Der Erzählstil erinnert stark an Mallory, weil nicht geradlinig erzählt wird (die Rahmenhandlung schon), sondern oft in die Vergangenheit einzelner Personen geblickt wird. So wird die Geschichte eines jeden Ritters erzählt und sie wachsen beim Lesen nach und nach ans Herz. Obwohl es Schlag auf Schlag geht, ein schräges Ding das nächste jagt und die Magie und der Gottesglaube wirklich wundersame Dinge verrichten, ist es doch auch ein entschleunigendes Lesen. Es passiert so viel, aber all das passiert unaufgeregt. Man hinterfragt nicht, wie bestimmte Personen gerade hier und nun plötzlich dort sind, dass Engel auftauchen, zahme Löwen oder man sich in der Anderswelt wiederfindet. Es war unglaublich originell zu lesen. Der Kampf des Christentums mit dem der alten Götter Britanniens war auch sehr clever eingebaut. Grossman schlägt sich da auf keine Seite, er teilt nur ordentlich aus. Auch schafft er es, ganz viel Tragödie und Komik ganz eng beieinander zu halten, einen nüchteren und zugleich schmückenden Schreibstil zu haben.
Zur Hälfte hätte mich die Geschichte beinahe verloren, es zog sich ein wenig, es plätscherte vor sich hin (oder aber es war kurz vorher zu viel auf einmal). Doch es lohnt sich, dran zu bleiben, denn die zweite Hälfte steckt voller Überraschungen. Grossman legt uns seine Interpretation bekannter Figuren der Legende dar und hat mich echt kalt erwischt. Das Zusammenspiel der Helden und Bösewichte, die Grauzonen und das große Ganze machen diese Geschichte zu etwas ganz Besonderem. Collum war mir zuerst ein wenig unsympathisch, zum Ende hin bin ich mit ihm jedoch warm geworden. Wer möchte nicht an seiner Stelle sein und Abenteuer mit den letzten Rittern der Tafelrunde erleben?
Mir hat “The Bright Sword ” richtig gut gefallen. Es ist nicht nur, wie der Untertitel sagt, “Ein Artus-Roman”, sondern ein richtig guter Fantasyroman, der sich zwar einem altbekannten Stoff bedient, diesen jedoch weiterdenkt und die Charaktere mit Rucksäcken bepackt, die auch heute noch getragen werden. Für Fans von klassischer Fantasy, aber auch für jebe, die gern mal etwas Neues ausprobieren wollen.