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R. F. Kuang: Im Zeichen der Mohnblume – Die Schamanin

Cindy

9783734162220 Cover 197x300 - R. F. Kuang: Im Zeichen der Mohnblume - Die Schamanin
Im Zeichen der Mohnblume ©blanvalet

“Im Zeichen der Mohnblume – Die Schamanin” von R. F. Kuang ist ein herausragendes Fantasybuch, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Es ist umso beeindruckender, wenn man das junge Alter der Autorin bedenkt. Kuang war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 21 Jahre jung und hat bereits jetzt den Grundbaustein für eine epische Fantasy-Trilogie gelegt.
Im Mittelpunkt des Buches steht das Waisenmädchen Rin. Zu Beginn des Buches ist sie 16 Jahre alt, doch der Großteil der Handlung spielt drei Jahre später. Um ihren Adoptiveltern und einer Zwangsheirat zu entkommen, lernt Rin wie besessen für einen Test, der sie an die Eliteakademie des Landes bringen wird, wo sie zur Soldatin ausgebildet wird und dem ihr drohenden Schicksal entfliehen kann.

Das Land Nikara steht kurz vor einem dritten Krieg gegen die Förderation von Mugen, bei dem es um Drogen und Macht geht. Im Zuge dieses Krieges entdeckt Rin, das viel emhr in ihr steckt, als sie gedacht hat.
Obwohl die Protagonistin noch so jung ist, ist dieses Buch eher für Erwachsene geeignet. Es werden Themen wie Gewalt, Missbrauch, Krieg, Drogenkonsum, Abhängigkeit und Selbstverstümmelung angesprochen, daher ist es keine leichte Lektüre. Ist man sich dieser Trigger bewusst, kann man in die Welt von Rin eintauchen.
Kuangs Schreibstil ist sehr bildlich, aber dennoch scharfkantig. Es gibt keine blumigen Umschreibungen. Man durchlebt die Handlung zu einem großen Teil durch Rins Augen. Rin ist ein sehr willenstarker und machthungriger Charakter. Sie ist nicht unfehlbar, doch sie hat ein klares Ziel vor Augen und kämpft dafür mit allem, was sie hat und geben kann. Es ist spannend, ihren Weg von der Kriegswaisen zur Elitesoldatin zu verfolgen und zu sehen, wie sie immer mehr der Machtgier erliegt. Selten liest man von Charakteren, die so offensichtliche “Schwächen” haben.
Nicht nur Rin ist ein sehr interessanter Charakter, auch die Nebencharaktere tragen viel zur Geschichte bei. Rins Lehrer, Mitschüler und Freunde machen ihr das Leben nicht immer leicht und doch durchleben ihre zwischenmenschlichen Beziehungen Aufs und Abs und das amcht die Handlung sehr fesselnd.
Die Akademie hat mich sehr an “Der Name des Windes” von Patrick Rothfuss erinnert, denn dort gibt es auch einen eher durchgeknallten Meister. Dennoch wirkt Kuangs Buch an keiner Stelle unoriginell, es überzeugt egrade durch seine Originalität. Interessanterweise wurde das Kriegsgeschehen von echten Ereignissen inspiriert, nämlich dem zweiten Chinesisch-Japanischen-Krieg und dem Massaker von Nanking. Die Autorin zeigt dabei anschaulich, welche Folgen ein Krieg hat, in dem zwei Nationen einander kaum mehr als Menschen wahrnehmen, welche Opfer er fordert und was er mit den Menschen anstellt. “Im Zeichen der Mohnblume” ist keine leichte Lektüre, aber es fesselt von Beginn an und überzeugt durch eine starke Protagonistin und eine sehr spannend aufgebaute Handlung. Es kommen auch sehr unerwartete Elemente zur Geschichte hinzu, wie beispielsweise der Schamanismus oder die Götterverehrung.
Ich kann nicht aufhören, über dieses Buch nachzudenken und genau das macht ein gutes Buch aus! Kuang zeigt, dass im Krieg nicht alles nur schwarz-weiß ist. Sie spielt nicht mit Menschenleben, sie zeigt die Grausamkeit, zu der Menschen fähig sind und regt damit zum Nachdenken an. Ich kann es kaum erwarten, bis die Folgebände dieser grandiosen Reihe erscheinen!

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