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Thomas Wheeler: Cursed

Cindy

Cursed Cover 195x300 - Thomas Wheeler: Cursed
Quelle: fischerverlage.de

Als großer Fan von allem, was mit der Artus-Legende zu tun hat, war “Cursed- Die Auserwählte ” natürlich ein must-read für mich! Angepriesen als feministische Neuerzählung der Legende und bereits von Netflix als Serie produziert, ging ich mit entsprechend hohen Erwartungen an die Geschichte heran.

Im Mittelpunkt steht die 16jährige Nimue, in den meisten Artus-Legenden bekannt als die Dame vom See. Sie gehört dem Himmelsvolk an, einem der vielen Fey-Clans. Doch sie gilt als Außenseiterin, denn sie ist von Dunkler Magie gezeichnet und besitzt eine Verbindung zu den Verborgenen (magische Wesen). Als die Roten Paladine ihr Volk angreifen, erhält sie von ihrer Mutter ein Schwert, welches sie dem Druiden Merlin bringen soll. Damit beginnt ihre Reise.

Nimue ist eine Protagonistin, mit der ich nicht wirklich warm geworden bin. Sie ist eine starke junge Frau und ziemlich badass, aber sehr gefühlskalt. Die Dinge, die sie tut, gehen ihr nicht nah und man kann keine Verbindung zu ihr aufbauen. Mich stört auch ihr Alter ein wenig. Sie ist erst 16 Jahre alt und rettet die Welt. Während wir eine middlegrade-Protagonistin bekommen, erhalten wir auf der anderen Seite eine sehr erwachsene Story.

Auf ihrem Weg zu Merlin trifft sie den Söldner Arthur. Es war spannend zu sehen, wie anders Arthur hier dargestellt ist. Er ist kein Held, rennt weg, wenn es ernst wird und ist nicht die Hauptfigur. Sein Charakter entwickelt sich jedoch im Laufe der Handlung weiter, sodass man gespannt auf den Folgeband ist.

Die Roten Paladine als fanatische Krieger des Christentums haben einen interessanten Aspekt in die Geschichte eingebracht. Es entbrennt ein Krieg zwischen der Kirche und dem Volk der Fey, der ausweglos erscheint. Die Fey sind in verschiedene Stämme aufgeteilt und unterscheiden sich sehr stark durch Aussehen und Fähigkeiten. Hier hätte ich mir mehr Erklärungen gewünscht, denn man konnte sich die einzelnen Stämme doch sehr schwer vorstellen. Generell kam das Magiesystem sehr kurz.

An dieser Stelle möchte ich auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass “Cursed ” einige sehr brutale Szenen enthält (Triggerwarnung: Gewalt, Mord, Folter). Es ist eine sehr kriegerische Geschichte, in der Nimue ihre Bestimmung finden muss und das Land und ihr Volk auf einen Krieg zusteuern.

Jedoch hatte ich das Gefühl, dass “Cursed” eine 400 Seiten lange Vorgeschichte ist, denn es laufen so viele Dinge parallel. Der Autor wollte möglichst viele Handlungsstränge aufbauen, die oft sehr verwirrend und auch unnötig erscheinen. Am Ende bleiben viele Fragen offen und bis zur Hälfte des Buches fragt man sich, um was es eigentlich geht. Wheeler hatte viele gute Ideen, doch einige sind nicht zu Ende gedacht oder wirken zu aufgesetzt. Es gibt viele interessante Nebenfiguren wie den Weinenden Mönch, Morgan, Schwester Iris oder Gawain, die zu wenig zu Wort kommen. Ihre Geschichten werden leider nur angerissen, doch das ist oft nicht genug.

Auch der Perspektivwechsel störte mich ein wenig. Am Anfang dachte ich, die Geschichte wird aus der Er-Perspektive von Nimue erzählt, doch nach einigen Kapiteln befindet man sich plötzlich in Merlins Kopf und dann wechseln sich die Charaktere bunt durcheinander ab.

Die Zeitebene verwirrt im ersten Drittel ebenso. Man merkt deutlich, dass die Geschichte für die Leinwand gemacht wurde, weil einige Szenen lieblos aneinander gepackt wurden. An sich sind diese Szenen spannungsvoll, doch fehlen die Übergänge und oft auch die Relevanz für die Geschichte.

Die Ausstattung des Buches ist jedoch sehr gelungen, denn es enthält viele Schwarz-Weiß-Abbildungen und einige Farbtafel illustriert von Frank Miller. Millers Stil ist kantig, roh und grob und passt damit sehr gut zur Geschichte. Leider sind die Bilder oft nicht an der passenden Stelle eingefügt und spoilern manchmal oder kommen erst viel später, was teilweise verwirrend ist.

Ich hoffe, dass der Folgeband geordneter ist und die offenen Fragen geklärt werden. “Cursed” ist ein spannendes Buch, doch es hält nicht, was der Klappentext verspricht. “Feministische Neuerzählung ” ist zu hoch gegriffen für das, was tatsächlich passiert und die Rolle des Schwertes bleibt sehr unklar. Dennoch hat Wheeler einige sehr spannende Charaktere erschaffen, die viel Potential in sich tragen. Es war spannend zu sehen, was er aus den klassischen Charakteren und der bekannten Legende erschaffen hat (vor allem aus Lancelot!) und ich bin gespannt auf die Umsetzung von Netflix.

Cursed Zeichnung - Thomas Wheeler: Cursed
Cursed Netflix - Thomas Wheeler: Cursed

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