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Jennifer L. Armentrout: Blood & Ash – Liebe kennt keine Grenzen

Cindy

Ich bin mit extrem hohen Erwartungen an diese Geschichte herangegangen, da sie im englischsprachigen Raum so viel Zuspruch erfährt. Man hat so viele Lobgesänge auf „Blood & Ash“ gehört, da muss es doch gut sein, oder etwa nicht?

Gleich zu Anfang: mich konnte die Geschichte nicht überzeugen. Stellenweise hab ich gedacht, ich befinde mich in einem schlechten Film und warte nur darauf, dass es endlich besser wird. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Poppy. Sie ist die Auserwählte, die Jungfräuliche und Hoffnung des Königreichs. Warum? Tja, das wird leider nie erklärt (aber ich habe noch die winzige Hoffnung, dass es vielleicht im zweiten Band mal Antworten gibt). Außerdem besitzt sie die Gabe (die übrigens auf Seite 511 endlich mal erklärt wird). Poppy darf sich nur verschleiert zeigen und keinen Kontakt zu anderen Menschen haben. Sie wird ständig überwacht, doch irgendwie hat sie es all die Jahre stets geschafft, sich in den Morgenstunden davon zu schleichen, um an ihrer Kampfausbildung zu arbeiten. Im Laufe des Buches tritt Hawke als ihr neuer Leibwächter auf und zwischen den beiden prickelt es gewaltig.

Bereits das erste Kapitel hat mich ziemlich verwirrt. Ich brauchte lange, um irgendwie in die Geschichte hineinzukommen, weil die Begriffe Aufgestiegene, Hungernde, Wölfische und Atlantianer so unklar blieben. Irgendwann wurde mir dann klar, dass es im Grunde fancy Begriffe für Vampire und Werwölfe sind. Ja, es ist ein Vampir-Buch und nein, ich hab das auch vorher nirgends gelesen. Übrigens möchte ich an dieser Stelle noch einmal auf die kreativen Namen hinweisen – Atlantianer, das Königreich Masadonien, die Stadt Solis. Wow!

Am meisten enttäuscht hat mich der Klappentext, denn er verrät über 400 (!) Seiten Handlung. Zwar nicht im Detail, aber man kann es sich sehr gut zusammenreimen, sobald man die erste Kapitel gelesen hat. Es ist mir schleierhaft, warum man so viel verraten sollte. Eigentlich geht es ja erst richtig los, wenn der Klappentext abgehandelt ist, daher habe ich auf diesen Moment gewartet. Natürlich wurde es zum Ende hin spannender, aber nicht signifikant. Man konnte alle Enthüllungen vorher sehen, was ziemlich schade war.

Poppy ist eine schlagfertige Protagonistin, aber zu viele Entscheidungen, die sie getroffen hat, haben ihr den Glanz genommen. Obwohl sie es selbst besser weiß, beurteilt sie Menschen (vor allem Hawke) zu oft anhand ihres Aussehens. Außerdem war ich erstaunt, wie man so wissbegierig und so blind zugleich sein kann. Poppy will aus ihrem goldenen Käfig ausbrechen, doch was sie wirklich will, weiß sie nicht. Ihre erste Begegnung mit Hawke empfand ich als echt komisch. Die Situation war einfach so weird, aber nichts im Vergleich zu dem, was auf den letzten 50 Seiten passiert – das konnte ich echt nicht fassen! Manchmal hab ich mich gefragt, ob ich Seiten übersprungen habe, denn der Plot plätscherte manchmal gemächlich vor sich hin, während er an anderen Stellen plötzlich rasant hin und her sprang und man sich fragte, wie das jetzt so schnell passieren konnte.

9783453321410 Cover - Jennifer L. Armentrout: Blood & Ash - Liebe kennt keine Grenzen
© Heyne

Die Beziehung zwischen Poppy und Hawke war extrem komisch. Hawke hat es meiner Meinung nach schamlos ausgenutzt, dass Poppy absolut keine Erfahrungen hat und sich nach etwas sehnt, dass sie nie hatte. Wäre es eine NA-Romance, würde man Hawke vermutlich als Bad Boy bezeichnen, wobei diese Bezeichnung noch beschönigend ist. Die Art, wie er mit Poppy redet, ist teilweise sehr grenzwertig. Wenn es zum Schlagabtausch zwischen beiden kam, war das oft sehr unterhaltsam. Aber irgendwann rutschte das Gespräch ins Unangemessene. Hawke sagt Poppy beispielsweise sehr oft „Du bist faszinierend/ so brutal“.

Diese Geschichte sendet meiner Meinung nach zu viele falsche Messages. Hawke nutzt Poppy aus, verschweigt ihr wichtige Dinge, weil es weiß, dass sie sich niemals auf ihn einlassen würde, wenn er ihr die Wahrheit sagt. Poppy nimmt im Laufe der Geschichte Rache an jemandem auf eine groteske Art und Weise, die als legitim dargestellt wird (für Hawke gilt im Übrigen da Gleiche).

Weiterhin ist das Buch im Bezug auf Sex absolut problematisch! Wenn Poppy und Hawke zusammen sind, ist nicht immer klar, ob die Anziehung von einem Rausch ausgeht oder nicht. Hawke weiß ganz genau, dass Poppy später bereuen wird, was sie getan hat…und nutzt es aus! Missbrauch ist ein hartes Wort, das nicht leichtfertig benutzt werden sollte, aber hier kann man es schon verwenden, finde ich. Ja, Poppy sagt später nicht explizit „nein“ (im ersten Kapitel tut sie es aber!), doch sie ist auch nicht bei klarem Verstand. Sie steht unter Schock, ihre emotionale Lage ist instabil und ihre Zukunft ungewiss.

Was mich auch sehr gestört hat, waren die Rechtschreibfehler in diesem Buch. Einen kann ich verschmerzen, vielleicht auch zwei, aber hier waren es deutlich mehr. Buchstabendreher (Maier statt Mauer, Bürgen statt Bürger), ganze Wörter fehlten – das war sehr auffällig und störend, doch leider nicht überraschend, da es mir in letzter Zeit bei vielen Büchern aus der Random House Gruppe so ging.

Der Schreibstil des Buches war nicht herausragend, aber auch nicht schlecht. Es las sich flüssig, und man stutze vor allem wegen des Plots. An sich las es sich flüssig und entfaltete sogar eine gewisse Sogwirkung, was bei mir vor allem daran lag, dass ich endlich Antworten wollte und einfach nicht glauben konnte, was sich da auf der Seite abspielte.

Ich bin immer noch ein wenig sprachlos, wenn ich an „Blood & Ash“ denke. Den Hype, den es erfährt, kann ich nicht nachvollziehen. Ich wollte es so gern mögen, aber es gibt zu viel problematisches an der Geschichte. Die nächsten Bände werde ich vermutlich dennoch lesen, um zu sehen, wie die Autorin mit den angesprochenen Kritikpunkten weiter umgeht.

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