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Lea Coplin: Für eine Nacht sind wir unendlich

Cindy

„Für eine Nacht sind wir unendlich“ beinhaltet eine wirklich wunderschöne Geschichte von Lea Coplin. Sie bringt den Festival- Sommer (der dieses Jahr ja leider ausfällt) nach Hause und versprüht ein ganz besonderes Gefühl. Im Mittelpunkt stehen Liv und Jona. Liv hilft ihrer Tante Mafalda mit ihrem Falafel-Stand auf dem Glastonbury-Festival und Jonah ist dort als Besucher zusammen mit seinen Freunden unterwegs. Liv und Jonah könnten nicht unterschiedlicher sein, und doch haben sie so viel gemeinsam. Beide tragen ein schweres Päckchen aus der Vergangenheit mit sich herum und versuchen ihre Schwächen und Ängste hinter einem falschen Lächeln und einer künstlichen Fassade aufrecht zu erhalten. Sie laufen sich immer wieder über den Weg und das schöne daran ist, dass es gar nicht gekünstelt wirkt, sondern ganz natürlich. Die Chemie zwischen ihnen passt sofort und es ist ein wunderschönes Erlebnis, die beiden durch eine Nacht des Glastonbury-Festivals zu begleiten.

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"Für eine Nacht sind wir unendlich" @dtv

Die Verbundenheit, die die beiden verspüren, schwappt auf den Leser über und versetzt einen sofort zu den beiden, auf ein riesiges Festivalgelände, inmitten tausender Leute, und doch existieren nur die beiden.

„Hast du die je gewünscht, jemand anderer zu sein? Die Person neben dir an der Kasse oder das Mädchen, das in der Reihe vor dir im Kino sitzt?“

Es ist erstaunlich, wie viele verschiedene Themen man innerhalb weniger Seiten ansprechen kann. Dieser Mix gibt dem Buch unglaublich viel. Der größte Pluspunkt für mich sind jedoch die Charaktere selbst. Liv und Jonah sind definitiv keine 0815-Charaktere. In ihnen steckt viel Liebe. Sie besitzen Ecken und Kanten, sagen nicht immer das richtige und haben nicht immer die besten Entscheidungen getroffen. Doch im Laufe der Handlung reflektieren sie sich und ihre Entscheidungen und lernen dazu. Man kann sich gut mit ihnen identifizieren. Livs Vergangenheit ging mir persönlich sehr nah, denn mir ging es oft ähnlich wie ihr.

Die Festivalatmosphäre verleiht der Geschichte zusätzlichen Charme. Man wird zusammen mit den Charakteren hinweggespült und kann sich durch das Meer an Menschen treiben lassen und untertauchen. Coplin beschreibt das Festivalgelänge sehr gut und durch die beiden Protagonisten lernt man einige typische Orte kennen.

Das Ganze wird sehr einfühlsam und atmosphärisch beschrieben. Der Schreibstil ist flüssig und passt sich dem Treiben an. Der Perspektivwechsel zwischen Jonah und Liv ist sehr gut gelungen. Jonahs Gedanken sind sehr selbstkritisch und raus. Er nimmt Liv als schillernde Gestalt war, ganz anders als sie selbst. Liv wird von vielen Selbstzweifeln geplagt. Sie kann nicht verstehen, warum Jonah Zeit mit ihr verbringt. Diese eine Nacht verändert sie jedoch und als Leser wünscht man sich, dass sie selbst erkennt, wie wertvoll und wunderschön sie doch ist.

„Für eine Nacht sind wir unendlich“ ist ein wirklich wundervolles Buch über zwei junge Leute, die einander gefunden haben, ohne vorher zu wissen, dass sie einander brauchten. Man erlebt ein Gefühlsbad beim Lesen. Es wird schmerzhaft, aber Selbsterkenntnis ist immer mit Schmerz verbunden. Man kann so viel Positives aus diesem Buch mitnehmen, denn Livs und Jonahs Geschichte hallt nach. Es ist eine originelle und einzigartige Freundschaft, ein Geben und Nehmen und das vor einer traumhaften Kulisse. Mit diesem Buch holt man sich den Festivalsommer und eine grandiose Liebesgeschichte nach Hause in den Garten oder ins Wohnzimmer!

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